Home, smart home!

Zu den großen Zukunfts-Innovationen im Bereich der Heimtechnologie gehört das vollvernetzte Haus, das so genannte "Smart Home". In diesem intelligenten Haus der Zukunft sind über ein lokales Netzwerk nahezu alle Geräte und Systeme lokal vernetzt und an ein äußeres globales Netzwerk angebunden. Das ermöglicht die Kommunikation zwischen den bisher unabhängigen Systemen.

Im Smart Home der Zukunft können von der Waschmaschine bis zum Fernseher nahezu alle Geräte miteinander Informationen austauschen. Der Fernseher wird über WLAN mit einem PDA oder Smartphone gesteuert werden. Mit Hilfe dieses digitalen Assistenten lässt sich außerdem die komplette Beleuchtung bedienen. Auch die Rolläden können damit herauf- und heruntergefahren werden. Die Waschmaschine signalisiert, dass sie in 15 Minuten fertig ist. Im Kühlschrank unseres Smart-Homes meldet der Joghurtbecher, dass das Verfallsdatum erreicht wurde. Die Toilettenschüssel analysiert die Ausscheidungen des Smart-Home-Bewohners und übermittelt gesundheitsbedenkliche Messergebnisse direkt an den behandelnden Arzt. Selbstverständlich sind alle Überwachungs- und Alarmsysteme sowie die Klimaanlage ans Smart-Home-Netz angeschlossen.

Ist die Herdplatte auch wirklich ausgestellt? Mit Smartphone, Hotspot und Passwort kann man sich ins Smart-Home-Netz einloggen und bekommt umgehend Antwort auf diese und andere brennenden Fragen. Auch auf unsere Stimmungsschwankungen reagiert das Smart Home mit der ihm eigenen Sensibilität. Verantwortlich dafür ist der Mood-Manager – ein kleiner Würfel mit verschiedenfarbigen Seiten – der für das jeweils passende emotionale Ambiente sorgt. Wie das funktioniert? RFID-Tags im Inneren des Würfels geben seine Lage an und senden die Informationen an den Zentralrechner. Von dort gelangen die Informationen ins hauseigene Ethernet und zu den jeweiligen Geräten, die dann entsprechend reagieren. Grün verbreitet Meditationsstimmung, Gelb motivierende Arbeitsatmosphäre. Lust auf Party? Dann stellen Sie den Würfel auf Rot: Bunte Animationsbilder erscheinen auf Ihren sieben Monitoren, dazu ertönen Ihre Lieblingshits aus den Lautsprechern. Beleuchtung und Jalousien passen sich automatisch an.

Noch ist diese Home-Hightechnologie nirgendwo flächendeckend verwirklicht. Prototypen dieser intelligenten Häuser finden sich jedoch an vielen Orten. Das erste Smart Home Deutschlands wurde in Duisburg errichtet. Im Duisburger Projekt „Innovationszentrum Intelligentes Haus“ (www.inhaus-duisburg.de) wird die Praxis des vernetzten Wohnens von einem Fraunhofer Institut erprobt. Besichtigen konnte man die Zukunft des Wohnens auch bis 2005 im T-Com-Haus am Potsdamer Platz, einem Projekt, das die Deutsche Telekom zusammen mit den Firmen Siemens, WeberHaus und Neckermann betreibt.

Herzstück der Technik des T-Com-Hauses ist eine Home Automation Platform (HAP): „Sie dient als zentrale Kommunikationsschnittstelle – mit ihr sind über Ethernet fast alle Hausautomations- und Haushaltsgeräte verbunden. Damit nun etwa die Küchengeräte über HAP kommunizieren können, müssen sie sich erst einmal „verstehen“. Deshalb haben wir die Geräte mit UPnP-Schnittstellen ausgestattet. Das verleiht allen Komponenten eine gemeinsame Sprache (… ) Über diesen Universal Plug and Play-Standard lassen sich alle Geräte einheitlich ansprechen“ (…). Im Smart-Home-Alltag sieht das etwa so aus: Hat der Nutzer versehentlich die Kühlschranktür offen gelassen, sendet der Kühlschrank ein Signal als so genanntes UPnP-Event an die HAP. Diese übermittelt die Information über WLAN an die PDAs der Nutzer – schließen müssen sie die Tür jedoch noch selbst.“ (1) Jedenfalls bis jetzt!

Weltweit wird noch am Haus der Zukunft gebaut und geforscht. Dabei gibt es unterschiedliche Schwerpunkte. Am weitesten entwickelt ist das „Intelligente Haus“ für den amerikanischen Markt. Der Schwerpunkt liegt hier auf komfort- und sicherheitstechnischen Applikationen wie Audio- und Videoüberwachung und Einbruchsicherheit. Die Japaner hingegen schätzen und entwickeln die Annehmlichkeiten des Smart Homes besonders in den Bereichen Wellness, Entertainment und Gesundheit. In Japan wurde zum Beispiel in einem Prototyp die intelligente Toilette eingebaut, die eine Analyse des gesundheitlichen Zustands anhand der Ausscheidungen vornimmt und die Daten direkt an den Hausarzt leitet.
Die Europäer konzentrieren sich auf Anwendungen im Bereich der Ökologie und Ökonomie und versprechen sich vom intelligenten Haus Energie- und Kosteneffizienz. Einer der bedeutendsten und zukunftsweisenden Anwendungsbereiche ist – angesichts der demografischen Entwicklung – das Wohnen im Alter. Hier kann intelligente Vernetzung mit Sicherheit nicht nur zu steigender Lebensqualität beitragen, sondern auch das selbstbestimmte Leben in den eigenen vier Wänden verlängern.

(1) Siemens: Pictures of the Future, Herbst 2005, S. 21